Anreize zum Teilen von Transportdaten

DTLab-Challenge mit der Landeshauptstadt München

Smartphone-Navigation

Lehrende: Prof. Dr. Eva Anderl, Prof. Dr. Lars Brehm
13.01.2020

Übersicht

Die Verwaltung der Stadt München besteht aus insgesamt 13 Referaten. Zu ihnen gehört das Referat für Stadtplanung, das die Verkehrsplanung umfasst. Im Rahmen der Challenge stand das Referat als Kooperations- und Ansprechpartner zur Verfügung.

Im Jahr 2018 veröffentlichte die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit externen Interessenvertretern und Experten einen Entwurf für eine neue strategische Leitlinie. Sie enthält Anleitungen im Bereich des verantwortungsvollen Umgangs mit Daten, der Digitalisierung für eine nachhaltige Entwicklung, der digitalen Verwaltung und bietet Experimentierfelder für Smart-City-Anwendungen. Der Begriff „Smart City“ beschreibt Städte, welche allgemein als „fit für die zukünftige Stadtentwicklung“ angesehen werden. Die digitale Transformation zu einer „Smart City“ bildet das Kernstück der Vision und Strategie der Münchner Stadtverwaltung.

Problem

Derzeit ist die Stadt München nur schlecht über die Verkehrssituation innerhalb der Stadt informiert. Um kurz-, mittel- und langfristiges Planen zu verbessern und den BürgerInnen bessere Verkehrslösungen anbieten zu können, sind verlässliche Verkehrsdaten unverzichtbar. Die Stadtverwaltung möchte daher herausfinden, unter welchen Umständen und mit welchen Anreizen MünchnerInnen, PendlerInnen oder BesucherInnen dazu bewegt werden könnten, freiwillig ihre Daten (z.B. gesammelt durch eine Smartphone-App) mit der Verwaltung zu teilen. Davon erhofft sie sich mehr Einfluss auf die aktuelle Situation durch bessere Informationen in Echtzeit und mehr Möglichkeiten, die richtigen Initiativen zu ergreifen.

Die Challenge für das Studierendenteam lautete daher: "Wie können wir PendlerInnen und TouristInnen in München dazu bringen, der Stadt Zugriff auf ihre Verkehrsdaten zu geben?"

Ansatz

Das Vorgehen lässt sich in einen Prozess mit vier Schritten unterteilen:

Nachdem das Team mit der Aufgabe vertraut gemacht wurde, bestand der erste Schritt darin, einen besseren Einblick in die Problematik zu erhalten. In einem Kick-Off-Meeting mit der Stadtverwaltung wurden zuallererst eine klare Beschreibung des Problems sowie ein Zeitplan entwickelt.

Dann führte das Team in Zusammenarbeit mit Amazon Web Services einen Innovationsworkshop durch, um einen ersten Lösungsentwurf zu finden. Amazons Innovationsmethode „Working Backwards“ ermöglichte dabei tiefere Einblicke in den Ursprung des Problems und unterstützte so den Lösungsfindungsprozess. Im Anschluss präsentierte das Studierenden-Team die Hauptidee sowie mögliche Alternativen dem Projektleiter, einem Mitglied der Stadtverwaltung München. Dieser war mit dem ersten Lösungsansatz einverstanden.

Der Lösungsansatz bestand daraus, die bestehende App „München“ um ein Feature zu erweitern. Bis zum Zeitpunkt der Challenge ermöglichte sie den BürgerInnen nur, Informationen zum öffentlichen Nahverkehr sowie zu aktuellen Veranstaltungen und Nachrichten der Verwaltung abzurufen. In einem zusätzlichen Feature namens „Daten teilen“, soll der Nutzer oder die Nutzerin der App nun gefragt werden, ob er seine Verkehrsdaten mit der Stadt teilen würde, und Informationen erhalten, wie dies die Infrastruktur in Zukunft verbessern kann.

Hierfür müssen zuerst die eigenen Transportart eingegeben werden, dann eine Erlaubnis für den Zugriff auf den Standort erteilt werden und zum Abschluss den Button „Route starten“ gedrückt werden. Abhängig von Transportart und Reisezeit würde der Nutzer oder die Nutzerin dann virtuelle Punkte für das Teilen seiner Daten erhalten. Bei einer bestimmten Anzahl von Punkten wäre es dann möglich, diese in der München App in Belohnungen umzutauschen. Diese Belohnungen könnten zum Beispiel Rabatte in örtlichen Museen oder ein früherer Zugang zu Theatertickets sein. Die Art der Belohnungen sollte auf einer Umfrage des Studierendenteams basieren.

Diese Umfrage bildete den dritten Teil des Prozesses. 50 Bürgerinnen und Bürger beantworteten Fragen zu demographischen Informationen, ihrer Zufriedenheit mit dem ÖPNV und ihrer Meinung zu verschiedenen Anreizen zur Weitergabe ihrer Daten. Der letzte Teil wurde in zwei Kategorien unterteilt: ihre grundsätzliche Bereitschaft, Daten zu teilen, und die Umstände, die sie dazu bewegen könnten.

Im Anschluss daran verwendete das Team die Belohnung, die in der Umfrage die höchste Punktzahl erzielte, als Beispiel beim Bau eines Prototyps. Auch dieser Schritt wurde zuvor vom Produkteigentümer bestätigt. Zusätzlich zum Prototypen wurden nützliche Informationen, z.B. wie viel eine App kosten würde, was die größten zu überwindenden Hindernisse wären und Lösungen für die bestehenden Herausforderungen ermittelt und den Mitgliedern der Stadtverwaltung präsentiert.

Prototyp

Zu Beginn des Entwurfs eines Prototyps nutzte das Team Papier- und Stiftskizzen, um eine Erweiterung zur aktuellen München App zu entwerfen und anschließend zu strukturieren. Danach arbeitete ein Teammitglied mit der AdobeXD-Software weiter am Prototypen. Der Prototyp ist hier zugängig.

Nächste Schritte

Die Abschlusspräsentation vor den Mitgliedern der Stadtverwaltung fand am 13. Januar statt. Im Anschluss an die Präsentation teilte das Team der Studierenden seine Präsentation, den Link zum Prototypen und die Umfrageergebnisse mit der Stadtverwaltung, die das Projekt als Input für zukünftige Aktivitäten nutzen wird.

Dokumente

Eine Auswahl der während der Challenge von den Studierenden erstellten Dokumente finden Sie hier:

Über das Co-Innovation Lab

Diese Challenge wurde als Gemeinschaftsprojekt zwischen dem DTLab und dem Co-Innovation-Lab der Hochschule München bearbeitet. Das Co-Innovation Lab ist ein übergreifendes Konzept für Innovationsprojekte von Studierenden mit Unternehmen. Hierzu werden temporäre Innovationspartnerschaften – in Form von Projekten – zwischen Unternehmen, Studierenden und DozentInnen geschaffen. Initiiert durch Prof. Holger Günzel und Prof. Lars Brehm (beide Hochschule München) werden aktuell mehr als 25 Innovationsprojekte pro Jahr, auch häufig interdisziplinär, durchgeführt. Das Co-Innovation Lab ist als offene Community aufgebaut. Interessierte Dozierende können das Konzept des Co-Innovation Labs in ihren Lehrveranstaltungen nutzen und sich gerne aktiv in die Weiterentwicklung einbringen.