KonTEXT - Motivations-App

DTLab-Challenge mit dem KonTEXT Leseprojekt

Fakultät10 - Betriebswirtschaftslehre
ProfessorenProf. Lars Brehm, Prof. Holger Günzel
ChallengegeberKonTEXT Leseprojekt
ChallengeKonTEXT – Motivations-App
Team10 Studierende: 6 der HM, 4 der TAMK
Datum15.01.2021

Problem

Bei unserem Kunden, dem Förderverein KonTEXT Leseprojekt, handelt es sich um ein studentisches Sozialprojekt an der HM, dessen Ziel es ist, straffällig gewordene Jugendliche zum Lesen zu motivieren. Sobald sie aus dem Gefängnis entlassen sind, werden einige von ihnen von Richtern dazu verpflichtet, an diesem Projekt teilzunehmen. Das Lesen soll die jungen Verurteilten zum Nachdenken und Reflektieren anregen und ihre Lesekompetenz und Bildung stärken und ausbauen. Kurzum: KonTEXT soll sich positiv auf ihr Leben auswirken und weitere Straftaten vorbeugen.

Allerdings neigen die Jugendlichen, die an KonTEXT teilnehmen müssen, dazu, das Lesen von Büchern langweilig und den Prozess des Lernens durch Reflexion schwierig oder überwältigend zu finden. Meist würden sie alles andere lieber tun, als Zeit mit einem Buch zu verbringen. Dies liegt auch daran, dass sie zum Lesen gezwungen werden und es nicht aus eigenem Antrieb tun. Unsere Zielgruppe fühlt sich nicht frei genug und möchte selbst entscheiden, wo, wann und was sie liest.

Unsere Challenge war es, den jungen Straftätern zu einer größeren Lesemotivation zu verhelfen und eine Teilnahme am Projekt nachhaltig zu gestalten. Ein erfolgreicher Abschluss des Projekts könnte das Risiko eines Rückfalls verringern. Dies wäre sowohl für den Verurteilten als auch für die Gesellschaft positiv. Allerdings ist es eine echte Herausforderung, unmotivierte Jugendliche zu motivieren.

Herangehensweise

Die Idee war, eine App zu entwickeln, die straffällige Teenager zum Lesen motivieren würde. Die vom Studierendenteam entworfene App lehrt auf spielerische Art und Weise, sich über längere Zeit zu konzentrieren und kritisch über sich selbst zu reflektieren. Sie motiviert und ermutigt Teenager durch ein digitales Spiel zum Lesen und Lernen. Darüber hinaus vermittelt sie auf einen Einblick in verschiedene Themen, die mit der begangenen Straftat in Verbindung stehen. Wer eine einfache spielerische Aufgabe richtig löst, erhält einen Vorsprung, der sich dann in einer anonymen Bestenliste widerspiegelt.

Doch nicht nur während der Appnutzung profitieren die Jugendlichen. Die App bietet dem Nutzer auch während und nach dem Leseprojekt verschiedene Vorteile. Diese lassen sich in den Nutzen für die Gesellschaft, den pädagogischen Nutzen, den Nutzen für die persönliche Entwicklung und den Nutzen für die eigene Motivation gliedern. Zunächst profitieren straffällig gewordene Jugendliche vom Leseprojekt und der App durch eine gesteigerte Motivation. Diese kann dazu führen, dass sie ihr Verhalten ändern, Kompetenzen entwickeln, sich langfristige Ziele setzen und ihr Engagement steigern. All diese Punkte können sich dann positiv auf ihren Gemütszustand und ihr Selbstwertgefühl auswirken.

Während der Nutzung der App lernen die Jugendlichen spielerisch durch Quiz, Podcasts und andere herausfordernde Aufgaben verschiedene Themen kennen, die zu sozialer Stabilität und persönlichen Entwicklungszielen beitragen sollen. Das Projekt möchte ihnen helfen, ihren eigenen Weg zu finden. Einen Weg, der weg vom Gefängnis und raus aus der Kriminalität führt. Des Weiteren möchte es emotionale und praktische Unterstützung bieten.

Innovation in Aktion

Die KonTEXT-Lösung, genannt "ReadUp", ist eine mobile Anwendung, die in jeder Web-Browser-Umgebung läuft. Sie nutzt folgende AWS-Services:

  • Amazon RDS
  • Amazon Virtuelle Private Cloud
  • AWS Elastic Beanstalk
  • Amazon Cloudfront
  • AWS Amplify
  • Amazon Cognito

Das Backend besteht aus zwei Hauptteilen: der Datenbank und der Backend-Software. Für die Datenbank wird der Amazon Relational Database Service (RDS) verwendet, auf dem eine Instanz einer MySQL-Datenbank läuft. Als Backend-Software läuft Java Spring Boot im Elastic Beanstalk. Dieser Elastic Beanstalk ist wiederum in den CloudFront-Dienst eingeschlossen, um dessen URL zu verschleiern und mit einer HTTPS-URL zu sichern. Amazon Virtual Private Cloud wird verwendet, um den Datenverkehr zwischen der Datenbank und dem Backend zu ermöglichen. Standardmäßig wird jeglicher Verkehr von externen Domains blockiert. Was das Frontend betrifft, wird der AWS Amplify-Service genutzt, um eine React-Web-App zu hosten. Die App wiederum nutzt den Amazon Cognito-Service für die Authentifizierung. Cognito ist so konfiguriert, dass es sowohl mit der Amazon-Instanz als auch mit der Entwicklungsumgebung localhost zusammenarbeitet. Die wichtigsten Funktionen, die entwickelt wurden, sind Landing Page, Registrierung und Login, Profilseite, Buchauswahl und Lesefortschrittstracking, persönliche Statistiken, Leaderboard, Leseplan und die Auswahl von Themen, um eine Brücke zwischen der tatsächlich entwickelten Anwendung und dem Gamification-Konzept zu schlagen.

Neben den bereits entwickelten Features der Lösung konzipierte das Projektteam zwei mit Gamification verbundene Hauptideen. Das Ziel dieser Konzepte war es, Nutzer mit Hilfe von gamifizierten Elementen zum Lernen zu motivieren. Das erste Konzept umfasst einen persönlichen Avatar, der bei Fortschritten des Nutzers mit Zubehör aufgewertet werden kann. Das zweite Konzept enthält eine Reihe von Minispielen, die das Lernen und das Erledigen von Aufgaben einfacher und unterhaltsamer gestalten sollen.

Nächste Schritte

Da die Entwicklung und Dokumentation von Seiten des Projektteams abgeschlossen ist, werden alle produzierten Materialien dem Kunden zur Verfügung gestellt. Das Projektteam empfiehlt KonTEXT zudem folgende Schritte für die weitere Entwicklung der Anwendung.

Zunächst sollte KonTEXT einige Jugendliche einladen, die vorgestellte Lösung zu testen. Da die Anwendung über einen öffentlichen Link verfügbar ist, kann sich jeder registrieren und sie nutzen. Dies wäre der erste Berührungspunkt zwischen echten Nutzern und der App. Die Testnutzer könnten dann wertvolles Feedback geben und Fragen beantworten, wie zum Beispiel, "Welche Funktionen gefallen Ihnen?", "Welche Funktionen sind unverständlich?", "Was könnte Ihren Fortschritt noch unterstützen?". Für eine reibungslosere Nutzung müsste die Datenbank der Anwendung, einschließlich der Bücher, jedoch gegebenenfalls noch aktualisiert werden.

Des Weiteren sollte KonTEXT die Entwicklung der Anwendung weiterführen. Da unser Lösungsprototyp bereits eine funktionierende Software ist, wäre es nicht nötig, eine neue Umgebung und eine neue Architektur einzurichten. Neue Versionen könnten veröffentlicht und die App nach und nach den Anwendern zur Verfügung gestellt werden.

Als letztes sollten die von den Projektteams vorgeschlagenen Gamification-Konzepte evaluiert werden. Im Falle einer positiven Entscheidung sollten diese in die Entwürfe einfließen und die entsprechenden User Stories im Product Backlog angelegt werden.

Unterstützende Dokumente

Weitere Dokumente finden Sie hier. Außerdem erstellten die Studierenden ein Demovideo für die App "ReadUp".

Über das Co-Innovation Lab

Diese Challenge wurde als Gemeinschaftsprojekt zwischen dem DTLab und dem Co-Innovation-Lab der Hochschule München bearbeitet. Das Co-Innovation-Lab ist ein übergreifendes Konzept für Innovationsprojekte von Studierenden mit Unternehmen. Hierzu werden temporäre Innovationspartnerschaften – in Form von Projekten – zwischen Unternehmen, Studierenden und DozentInnen geschaffen. Initiiert durch Prof. Holger Günzel und Prof. Lars Brehm (beide Hochschule München) werden aktuell mehr als 25 Innovationsprojekte pro Jahr, auch häufig interdisziplinär, durchgeführt. Das Co-Innovation Lab ist als offene Community aufgebaut. Interessierte Dozierende können das Konzept des Co-Innovation Labs in ihren Lehrveranstaltungen nutzen und sich gerne aktiv in die Weiterentwicklung einbringen.