Fremdstofferkennung im Bioabfall

DTLab Challenge mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb München

ChallengegeberAWM - Abfallwirtschaftsbetrieb München
LehrenderProf. Dr. Olav Hinz, FK09 Wirtschaftsingenieurwesen
Datum15.1.2021

Übersicht

Diese Challenge wurde gemeinsam mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) durchgeführt. Der AWM ist der größte kommunale Entsorgungsbetrieb Deutschlands. Er bietet den Münchener Bürger/-innen und Unternehmen einen zuverlässigen und umweltfreundlichen Entsorgungsservice an. Zu stabilen und fairen Gebühren werden Abfallbehälter geleert und Restmüll thermisch sowie Wertstoffe stofflich verwertet. Außerdem werden durch die Vergärung von Bioabfall in den dazu geeigneten Trockenfermentationsanlagen (TFA) Strom und Wärme erzeugt und durch die anschließende Kompostierung der Gärreste hochwertige Erdenprodukte hergestellt. Basierend auf dem Konzept der ökologischen Abfallwirtschaft besteht die Hoffnung, die Recyclingrate und somit den ökologischen Kreislauf der Wiederverwendung weiter zu erhöhen.

Problem

In letzter Zeit ist der Anteil an Fremdstoffen, wie beispielsweise Plastik, im Biomüll deutlich gestiegen. Dies beeinträchtigt die Qualität des Endproduktes stark. Eine besondere Erschwernis ist die Verunreinigung mit kompostierbaren BAW-Abfalltüten. Tüten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen können in der städtischen Behandlungsanlage nicht vollständig abgebaut werden - dafür ist die Rottezeit von rund 12 Wochen zu kurz. Die Tüten werden beim Absieben der Gärreste nach der Rotte in kleine Teilchen zerhäckselt, verschmutzen den fertigen Kompost und senken damit die Qualität der Münchener Erden.

Aktuelle Situation

Der AWM sammelt den Bioabfall aller Münchener Haushalte in 120 und 240 Liter Gefäßen alle 14 Tage am Haus ein und transportiert ihn teilweise zur eigenen Verwertungsanlage. Wegen des oben genannten Problems sind arbeitstäglich vier Teams mit je zwei Qualitätskontrolleuren unterwegs, um vor Ort den Inhalt der Biotonnen in den oberen 20 cm der Behälterfüllung zu sichten und je nach Fremdstoffanteil einen gelben oder roten Aufkleber auf den Biotonnen anzubringen. Bei Verunreinigung durch geringe Mengen an kompostierbaren BAW-Abfalltüten erhält die Tonne einen gelben Sticker. Der Inhalt dieser Tonne wird somit trotzdem kompostiert, da die Verunreinigung als moderat angesehen wird. Bei einem roten Aufkleber liegt eine schwere Verschmutzung vor, weshalb der Inhalt dieser Biotonne als Restmüll entsorgt wird und dem/der Hauseigentümer/-in die Kosten einer Restmüllleerung berechnet werden. In beiden Fällen werden zusätzlich Infobroschüren und Papiertüten zur Aufklärung in die Briefkästen der jeweils angeschlossenen Haushalte geworfen.

Umfrage

Im Rahmen einer Online-Umfrage wurden 94 Teilnehmer/-innen befragt, 78 von ihnen Bürger mit Wohnsitz in München. Die Altersverteilung der in München wohnenden und befragten Bürger/-innen belief sich auf 75,6% 18- bis 29-Jährige, 20,5% 30- bis 65-Jährige und 3,8% > 65-Jährige. Dabei hat stellte sich heraus, dass bisher 15 Personen (17,2%) über die Bioabfallkampagne "Plastik raus aus der Biotonne!" des Abfallwirtschaftsbetriebs Münchens informiert waren. 14 Teilnehmer/-innen (17,9%) gaben an, dass sie bereits eine Mitteilung über eine falsch befüllte Mülltonne erhalten hatten. Auf die Frage, mit welchem Medium die Bürger/-innen am besten erreichbar seien, um über Mülltrennung aufgeklärt zu werden, wählten 47 Teilnehmer/-innen (61%) die App Instagram.

Ansatz

Um einen ersten Lösungsentwurf zu finden, führten die Studierenden der Hochschule München in Zusammenarbeit mit dem AWM zwei Innovationsworkshops durch. Dabei wurde mit Amazons Working-Backwards-Methode gearbeitet, die es ermöglicht den Ursprung eines Kundenproblems zu finden und den Prozess der Lösungsfindung zu vereinfachen.

Im Laufe des ersten Workshops klärten wir im ersten Schritt die Wünsche und Bedürfnisse des AWM. Infolgedessen fanden wir das eigentliche Problem des AWM. Abschließend wurden anhand einer „Empathy Map“ die Gedanken und Gefühle der beteiligten Anspruchsgruppen dargestellt. Sie schärft das Bewusstsein für die Kundensicht und dient der Ausrichtung unternehmerischer Aktivitäten.

Im zweiten Workshop wurden unter Verwendung der „Crazy 8“ - Methode Ideen zur Problemlösung entwickelt. Die Ideen wurden vorgestellt und in thematisch zusammenhängende Gruppen sortiert. Abschließend priorisierten die Teilnehmer sie.

Infolge dieser Workshops stellten wir fest, dass der beste Ansatz zur Bekämpfung des Kernproblems mehr Aufklärung, vor allem über Social Media Plattformen, ist.

Vorgehen

Die Aufklärungsarbeit soll zum einen über Influencer-Kooperationen stattfinden, da diese eine hohe Reichweite haben und zugleich eine Vorbildfunktion für viele Menschen besitzen. Bei der Auswahl der Influencer ist auf eine hohe Reichweite in München zu achten. Die Influencer bekommen Muster-Papiertüten zugeschickt und sollen damit wöchentlich eine Story posten, in der sie über die Wichtigkeit der Mülltrennung aufklären. Außerdem sollen sie die Follower/-innen dazu aufrufen, den Müll richtig zu trennen.

Zum anderen soll die Aufklärung in Form von kurzen Werbeclips stattfinden, welche über YouTube, Instagram, Snapchat und Facebook geschaltet werden sollen. In diesen 30-sekündigen Clip soll gezeigt werden, was in die Biotonne kommt und was nicht. Dabei soll explizit auf die Problematik der BAW-Tüten hingewiesen werden. Durch die Kreierung von unterschiedlichen Werbeclips ist es möglich, gezielt unterschiedliche Personengruppen anzusprechen. Ein Algorithmus erkennt durch Auswertung der Online-Daten der Social Media Nutzer, welcher Werbeclip für welche Zielgruppe ansprechend ist. Durch Nutzung der personalisierten Werbung kann sichergestellt werden, dass die Werbung für die Bürger und Bürgerinnen interessant gestaltet ist und diese sich mit höherer Wahrscheinlichkeit tatsächlich mit der Thematik befassen.

Außerdem soll eine hohe Anzahl an Werbebannern in sogenannten Feeds geschaltet werden, um den Bürger/-innen gegenüber möglichst präsent und auffallend zu sein. Als Werbebanner soll dafür unser erstelltes Storyboard genutzt werden. Die Webseite oder der Instagram Account des AWM soll dabei im Werbebanner verlinkt werden, um nähere Informationen über die Mülltrennung zu erhalten.

Dokumente

Im Rahmen der Challenge wurden folgende Dokumente erstellt:

Der Source Code ist ebenfalls auf Github zugängig.